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Friedrich Westphal

Text aus dem Vereinsheft zum 25. jährigen Jubiläum von Friedrich Westphal

“Hamwarde, ein „Schönes Dorf“, liegt am Südrande des Sachsenwaldes, und am Südende des Dorfes erhebt sich der Mühlenberg. Hamwarde liegt abseits der großen Verkehrsstraßen und hat heute rund 600 Einwohner. Durch den Zustrom der Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg hatte sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt, um dann wieder durch die Umstrukturierung der Bewohner auf den heutigen Stand zu fallen.


Schon im Jahr 1920 war in Hamwarde ein Sportverein, der ATV Hamwarde, gegründet worden. Er betrieb, wie der Name sagt, in der Hauptsache Gerätturnen. Daneben gab es noch: Faustball, Gymnastik und Radsport. Ja, sogar ein Trommler- und Pfeifenkorps war vorhanden.

Diesem ersten Sportverein wurde durch die „Gleichschaltung“ 1933 das Lebenslicht ausgeblasen und sämtliche Geräte wurden ihm fortgenommen.

Am 20.9.1948 gründeten 34 Männer den S.V.H. Unter den Gründern waren auch ehemalige Mitglieder des A.T.V., die natürlich an ein Wiederaufleben des alten Vereins dachten; aber von den 1933 „beschlagnahmten“ Geräten konnte nichts mehr aufgetrieben werden, und um neue Geräte zu beschaffen, fehlte in den Zeitverhältnissen jegliche Unterlagen.

Es blieb also nur der Fußball übrig. Auf dem Mühlenberg „bolzten“ Jugendliche auf einem Acker, der teils der Gemeinde und teils der Interessengemeinschaft gehörte, teils von Kleingärtnern bestellt war. Diesen Berg mit seiner Windmühle erwählte sich der Verein als Emblem. Nicht gegen die Windmühlenflügel sollten die Sportler vergeblich anrennen, sondern mit dem Wind zum Erfolg kommen.

In der ersten Zeit galt es, viele Schwierigkeiten zu überwinden; aber die Begeisterung für und die Freude am Sport schaffte alle diese Hindernisse. In den Auswärtsspielen, Entfernungen bis 20 km und mehr, wurden die Wege per Fahrrad oder verkehrswidrigen Fahrzeugen zurückgelegt. Fußballschuhe und Jerseys wurden zwischen den Spielern der Reserve und I. Herren ausgetauscht. Als Umkleide- und Toilettenraum diente jahrelang der Knick am Rande des Platzes. Der Sportplatz musste mehrmals erweitert und planiert werden und wird immer noch als „Acker“ bezeichnet. Verzug mehrerer Spieler in der Zeit der Umstrukturierung wirkte sich in dem kleinen Verein sehr zu seinem Nachteil aus. Finanziell wurde der Verein von keiner Seite unterstützt. Versuche, eine Breitenarbeit zu betreiben und andere Sparten aufzuziehen, schlugen fehl und mussten nach kurzem Strohfeuer aufgegeben werden. Es konnte auch gar nicht anders kommen, denn es fehlte an den entsprechenden Grundlagen, Plätze und Räume waren nicht vorhanden und an geeigneten Betreuern und Mitarbeitern mangelte es auch. Jedenfalls gab es Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, mehr Tiefs als Hochs im Leben des Vereins.

Natürlich gab es auch Stunden der Freude und der Kameradschaft im Vereinsleben. Dieses wie jenes in allen Einzelheiten aufzuführen, würde zu weit führen. Deshalb möge eine Zusammenstellung von je einem Punkt aus den Protokollen der Hautversammlungen der 25 Jahre die Vereinsarbeit kurz beleuchten.

 

1948 Gründungsversammlung des S.V.H.

1949 Der Verein spielt mit 2 Mannschaften im Lauenburger Kreissportverband (Panne m.d. Kassierer)

1950 Wegen der Verkehrsverhältnisse wird der Ausschluß an den Hamburger Sportbund beschlossen. Jugendmannschaften werden aufgestellt.

1951 Damen- und Keglerriege werden aufgelöst.

1952 Da die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt sind, lehnen H.S.B. und Kreissportverband eine Beihilfe zum Bau eines Umkleideraumes ab.

1953 Die Jungmannen sind Meister ihrer Klasse.

1954 Die I. Herren stehen wie bisher auf Platz 3 der Kreisklasse.

1955 Aufstieg der I. Herren in die Bezirksklasse, Auflösung der Jugendmannschaften

1956 Rückspiel gegen Motor-Cossebande-Dresden, Erstellung einer Baracke zum Umkleiden.

1957 Der Platz wird erweitert, Anschaffung eines Vereinsabzeichens.

1958 Zehnjähriges Stiftungsfest, Abstieg der I. Herren in die Kreisklasse.

1959 Dem Verein fehlt der Nachwuchs. Ein neuer Fußball soll beschafft werden.

1960 Vorsitzender legt aus Gesundheitsgründen sein Amt nieder.

1961 Keine besonderen Höhepunkte im letzten Jahr zu verzeichnen, an die Mitarbeit wird appelliert.

1962 Die Beiträge werden auf DM 1.—erhöht, Jugendliche und Rentner zahlen die Hälfte.

1963 Das jährliche Pokalturnier wurde durchgeführt.

1964 Mit einem neuen Trainer soll verhandelt werden.

1965 Zur Hauptversammlung waren 19. Mitglieder erschienen.

1966 Durch Eigenhilfe und Unterstützung durch das Land Schleswig-Holstein und durch den Kreis sollen Umkleide- und Duschräume gebaut werden.

1967 Kassenbestand am 20.2.67 DM 1.445.31, Pokalturnier der II. Herren.

1968 Neue Satzungen werden Beraten. Die Trainingsfreudigkeit der Jugendlichen wird gelobt.

1969 Umkleide- und Duschräume sind erstellt.

1970 Drei Jugendmannschaften haben gespielt, darunter 1 Meister.

1971 Der II. Vorsitzende übernimmt die Führung des Vereins.

1972 Beitragserhöhung wird abgelehnt. Spiel der I. Herren gegen Alt-Liga-St.-Pauli

1973 Jugendmannschaften aufgelöst. Im Pokalturnier gegen „Alte Herren“ von Lauenburg, Geesthacht, Schwarzenbek, Grande, gewinnen die „Alten Herren“ des S.V.H. den Pokal.

 

Das sind nüchterne, scheinbar belanglose Zahlen und Ereignisse im Leben eines Vereins. Der genaue Betrachter aber weiß, dass dahinter eine Menge von Sorgen, Fleiß, Mühe und Mitarbeit steckt.

Ziehen wir Bilanz: 25 Jahre hat der Verein hinter sich gebracht. Das Vereinsschifflein hat viele Klippen umfahren müssen. Die Mitgliederzahlen schwanken um 150. Mehrere Mitglieder sind verstorben, viele verzogen, ihnen sei an dieser Stelle für ihre Mitarbeit gedankt. Andere sind zum S.V.H. gekommen, darunter ein ganzer Teil Nicht-Hamwarder. Auch ihnen sei gedankt für die selbstlose und freudige Mitarbeit; denn allein aus der Bevölkerung des kleinen Dorfes könnte der Verein nicht bestehen.

Durch alle Protokolle des Vereins zieht sich ein roter Faden, der fordert: Mehr Aktivität!

Wenn also aus den vielen Mitgliedern des Vereins sich mehr Mitarbeiter herausschälen sollten, dann dürfte der S.V.H. um seine Zukunft nicht besorgt sein.”

 

Vorsitzender des S.V.H. von 1948 bis 1960

Friedrich Westphal

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